Wenn es dunkel wird im Park

Bild: Wahlenpark, Zürich Oerlikon; Kiesfläche mit Spielgeräten und Sitzbänken/Stadt Zürich

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Die Nutzung öffentlicher Parkanlagen ist für Frauen längst nicht so selbstverständlich wie für Männer. Kulturelle Vorurteile und von Medien erzeugte Bilder stehen einer unbeschwerten Nutzung durch Frauen im Wege. Mit gestalterischen Eingriffen ist dagegen nur begrenzt beizukommen.


Dunkelheit, unbekannte Geräusche oder dichte Sträucher halten Frauen nachts davon ab, durch einen Park zu gehen, auch wenn der Nachhauseweg dadurch kürzer würde. Frau „möchte nicht provozieren“, „nicht herausfordern“. Viele Frauen fühlen sich „nachts eher gefährdet“. So äusserten sich Frauen in der Schweiz, als sie danach gefragt wurden, ob sie nachts durch Parkanlagen gingen. Die Aussage, „ich würde nachts überall hingehen“, ist in diesem Zusammenhang eine bemerkenswerte Ausnahme.

 

Systematisch Angst schüren
Wacker geschürt werden diese Ängste durch Schlagzeilen in den Medien: „Frau bei Überfall niedergestochen“, „Attacken auf Frauen“, „Im Park überfallen“. Schlagzeilen wie diese bleiben vielen Frauen im Gedächtnis hängen und verstärken Angstgefühle, die durch Dunkelheit und Pflanzen noch verstärkt werden. Die Angst lässt sich bezifffern. Sie hat sich in den letzten Jahren verdoppelt, obwohl die Zahl der Gewaltdelikte in den letzten Jahren abgenommen hat (Kanton Zürich).
 
Die Gefahr lauert nicht in dunklen Ecken von Parkanlagen, sondern vielmehr zuhause. Eine massiv grössere Anzahl von Gewaltdelikten finden im familiären Umfeld statt. So musste 2010 die Polizei der Stadt Zürich in 368 Fällen häuslicher Gewalt ausrücken. Parkanlagen sind dagegen sichere Orte, an denen keine Gewaltverbrechen stattfinden.
 
Frau allein im Park?
Im 19. Jahrhundert war es nicht schicklich, als Frau allein in einen Park zu gehen. Es galt als unanständig. Dass dieses Vorurteil noch nicht überwunden ist, zeigen Aussagen von Parkbesucherinnen und –besuchern, die in der Ausstellung „Mein Park – verweilen statt eilen“ über den ungleichen Zugang von Frauen und Männern in öffentlichen Parkanlagen zu hören und zu lesen waren. Frauen müssten ja nicht alleine in einen Park gehen und dadurch provozieren. Sie seien selber Schuld, wenn sie überfallen würden. Aussagen eines Mannes, die nahtlos an die Haltung aus dem 19. Jahrhundert anknüpfen.
 
Basis für die Ausstellung im Oerliker Wahlen Park, eine der neuen Parkanlagen in Zürich-Nord, war die Publikation des Forschungsprojekts über „Sozial nachhaltige Parkanlagen“ (NFP 54) von Elisabeth Bühler, Heidi Kaspar, Frank Ostermann, die im vdf Hochschulverlag der ETH Zürich, 2010 erschienen ist. (ISBN 978-3-7281-3309-0).
 
Den Park im Kopf
Was sich die Parkbenutzerinnen und –benutzer wünschen und wie sie den Wahlen-Park nutzen, der noch vor den Wohnbauten erstellt wurde, konnten sie in der Ausstellung notieren. Dass Hunde an die Leine gehören, mehr Abfalleimer aufgestellt werden und mehr Schatten erwünscht ist, sind erfüllbare Wünsche. Ob ein Gartencafé, Konzerte und Kinos den Park beleben werden, wird sich zeigen. Der Wunsch nach „mehr hüpschen Jungs“ wird hingegen schwierig zu erfüllen sein. Für manche Besucherinnen und –besucher ist der Park wie ein zweiter Balkon. Andere haben einen besonderen Grund: „Ich gehe in den Park, um den Mond gut zu sehen.“
 


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